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Fake-Trading im Visier - Lars überwies 290.000 Euro – doch sein Geld war längst weg


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Fake-Trading im Visier

Lars überwies 290.000 Euro – doch sein Geld war längst weg

Fake-Trading: Betrugsopfer verliert 290.000 Euro

Lars Kesebom sah sein Geld auf dem Bildschirm wachsen. Erst als die Polizei anrief, erfuhr er, dass seine 290.000 Euro längst verloren waren.
 

Als die Polizei anruft, glaubt Lars Kesebom noch, er habe ein Vermögen. 290.000 Euro hat der niedersächsische Unternehmer auf eine Online-Handelsplattform namens Fibonetix überwiesen. Morgens schaut er in sein Depot, abends noch einmal.
Karl Heinz der Finanzberater

Die Charts steigen, sein Geld scheint sich zu vermehren. Sein persönlicher Finanzberater, ein gewisser „Karl Heinz“, erzählt ihm von Insiderinformationen. Kesebom zahlt nach: erst 10.000 Euro, einmal 98.000, dann 101.000 Euro – bis ihm der Polizist am Telefon erklärt, was wirklich passiert ist: Sein Vermögen existiert nicht. Kesebom ist auf Fake-Trading hereingefallen.

Der Fall ist Teil der internationalen Recherche „FakeTrade“, koordiniert vom Rechercheverbund European Investigative Collaborations (EIC), an dem unter anderem auch der „Spiegel“ beteiligt ist und ausführlich darüber berichtet hat. Tausende Dokumente geben Einblick in eine Betrugsindustrie, deren Geschäftsmodell simpel ist: echtes Geld hinein, erfundene Gewinne auf dem Bildschirm und am Ende nichts zurück.
 

Wie professionell das System funktioniert, wurde jetzt bei einem öffentlichen Prozess vor dem Landgericht Bamberg sichtbar. Angeklagt war Shay Benhamou, früherer Chef des israelischen Softwareunternehmens Airsoft. Er gestand schließlich und wurde wegen Beihilfe zum Betrug zu vier Jahren Haft verurteilt.

Airsoft lieferte die technische Infrastruktur für vermeintliche Handelsplattformen. Im Bamberger Verfahren ging es um 24 solcher Portale. Allein sie sollen Anleger um rund 68 Millionen Euro gebracht haben. Der Betrug ist jedoch deutlich größer: Während Benhamous Zeit an der Spitze arbeiteten laut Recherche insgesamt 443 Plattformen mit Airsoft. Die mit Airsoft-Technik betriebenen Portale sollen mehr als 950 Millionen Euro umgesetzt haben. Nur ein Bruchteil dieser Plattformen war Gegenstand der Anklage; einen Betrug bei allen 443 konnte die Staatsanwaltschaft nicht nachweisen.
„Verloren am Ende alles“: Betreiber wusste Bescheid

Am Ende des Prozesses räumte Benhamou ein, spätestens 2020 so viel über die Nutzung seiner Software gewusst zu haben, dass er nicht länger von bloßen Missbrauchsrisiken ausgehen konnte. „Menschen wurden mit der Illusion von Gewinnen geködert und verloren am Ende alles“, sagte er vor Gericht.

Trotzdem hielt er den Betrieb noch ein weiteres Jahr aufrecht. Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die Schadensummen noch erheblich höher sind. Jörn Rehren, Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband, beziffert den Betrug durch derartiges Online-Trading in Deutschland inzwischen auf „mehrere Milliarden Euro“.
Das Opfer sieht sein Geld wachsen

Das zentrale Problem: Fake-Trading sieht sehr lange nicht nach Betrug aus. Die Opfer landen über Internetwerbung oder soziale Medien auf professionell gestalteten Plattformen. Häufig genügen zunächst 250 Euro. Dann meldet sich ein freundlicher persönlicher „Broker“. Er kennt sich aus, ruft regelmäßig an, fragt nach Familie und Lebensumständen und baut Vertrauen auf.

Währenddessen kann das Opfer rund um die Uhr in sein Depot schauen und zufrieden feststellen: Die Werte steigen. Nur ist das Depot nichts als eine Kulisse. Bei der von Airsoft gelieferten Technik konnten Betrüger beeinflussen, welche Wertentwicklung ihren Kunden angezeigt wurde. Sie konnten Opfer gruppieren und ihnen je nach Bedarf Gewinne oder Verluste vorspiegeln. „Das sieht für Normalbürger auch wirklich professionell aus und ist gut gemacht, aber es ist alles nur Fake. Es findet keinerlei Handel statt“, sagt Verbraucherschützer Rehren. Die Gewinne haben nur einen Zweck: Das Opfer soll mehr echtes Geld überweisen.

Bei Kesebom funktionierte das. Er sah morgens und abends nach seinen Charts. Das Ganze habe etwas von einer Sucht gehabt, erinnert er sich. Er begann schon darüber nachzudenken, früher mit der Arbeit aufzuhören.
Die Falle schnappt bei der Auszahlung zu

Der kritische Moment kommt, wenn ein Anleger sagt: Ich möchte mein Geld zurück. Dann werden plötzlich Steuern fällig. Oder Versicherungen. Oder Bearbeitungsgebühren. Oder ein „Liquiditätsnachweis“. Das vermeintliche Vermögen auf dem Bildschirm könne dafür leider nicht verwendet werden. Also soll das Opfer noch einmal echtes Geld überweisen. Die Täter haben dafür laut Recherche sogar eigene Begriffe.

Ein Opfer konnte „gebrannt“ werden: Das angebliche Depot wurde auf null gestellt und der Verlust mit schlechten Marktbewegungen erklärt. Oder es wurde „gesqueezed“, also noch einmal ausgepresst. Der angebliche Gewinn sei auszahlungsbereit, vorher müsse nur noch eine Gebühr bezahlt werden. Danach ist der nette Broker plötzlich nicht mehr erreichbar. „Die Auszahlung von Guthaben wird immer wieder verschleppt und irgendwann sind die persönlichen Ansprechpartner nicht mehr erreichbar“, warnt Verbraucherschützer Rehren.


Und dann kommen die Betrüger ein zweites Mal

Inzwischen gibt es sogar eine zweite Industrie hinter dem ersten Betrug: den Recovery Scam. Monate später melden sich angebliche Anwälte, Finanzaufseher oder Spezialisten für die Rückholung gestohlener Gelder. Sie kennen teilweise Details des ersten Betrugs und behaupten, das verlorene Vermögen sei gefunden worden. Es müsse lediglich noch eine Gebühr überwiesen werden.

Die Verbraucherzentrale Hessen warnte im Mai 2026 ausdrücklich davor. Die Täter arbeiteten gezielt mit Informationen über bereits Geschädigte, sagt Verbraucherrechtsexpertin Olesja Jäger: „Betrüger handeln nicht zufällig, sondern gezielt und häufig mit Daten, die sie bereits über ihre Opfer besitzen.“
Alarmzeichen für Anleger

Wer mit außergewöhnlichen Renditen geködert wird, von einem angeblichen Broker ungefragt angerufen wird oder Geld auf ausländische Konten und Kryptobörsen überweisen soll, sollte abbrechen. Besonders gefährlich ist die Aufforderung, Programme wie AnyDesk oder TeamViewer zu installieren und Fremden Zugriff auf den eigenen Rechner zu geben.

Auch die angebliche Notwendigkeit einer zusätzlichen Zahlung, bevor ein Guthaben ausgezahlt werden könne, ist ein klassisches Warnsignal. Vor jeder Überweisung sollte zudem geprüft werden, ob der Anbieter bei der BaFin für entsprechende Geschäfte zugelassen ist. Und wer bereits Geld überwiesen hat, sollte nicht versuchen, den Verlust durch eine weitere Einzahlung zu retten: Zahlungen stoppen, Bank verständigen, sämtliche Chats, Mails und Überweisungsbelege sichern und Anzeige erstatten.


Er verlor 290.000 Euro – und das Vertrauen in sich selbst

Lars Kesebom hatte seine Warnung bekommen, bevor alles begann. Seine damalige Frau sagte zu ihm: „Mach es nicht.“ Aber da war er schon fasziniert. Er überwies die ersten knapp 10.000 Euro. Dann sah er die Gewinne auf seinem Bildschirm wachsen. Und überwies wieder. Als die Polizei ihm schließlich erklärte, dass seine 290.000 Euro nicht in irgendeinem glänzenden Depot auf ihn warteten, musste er wieder mit seiner Frau reden. Er habe „geheult wie ein Schlosshund“, erzählt er den Reportern. Etwas in ihm sei damals kaputtgegangen: der Glaube an die Menschen, aber auch an sich selbst.

Auch sein Kumpel vom Fußballverein, der Kesebom damals von der vermeintlich lukrativen Geldanlage erzählt hatte, verlor sein ganzes Geld. Wenn die beiden sich heute sehen, reden sie nicht mehr darüber. Kesebom will allerdings andere warnen, die genauso sicher sind, wie er damals, dass ihnen so etwas nicht passieren könne. Wenn er heute auf seine verlorenen 290.000 Euro zurückblickt, stellt er die Frage, die sich viele Opfer solcher Betrüger stellen müssen, angesichts von Traumrenditen bei angeblichen Tradern, die aber niemals persönlich greifbar sind: „Wie kann man so blöd sein.“

 

https://www.focus.de/finanzen/fake-trading-wie-lars-kesebom-290-000-euro-an-einen-betrueger-verlor_e86f2f6b-6af4-42e0-83a1-a810dc68c8bc.html

 

 

 

 

 

 

 

Also zusammengefasst Lars ist ein ziemlicher Idiot, ist jetzt ja kein B2B Filling gewesen wo man einfach auf ein zu günstiges Angebot reinfällt das professionell inszeniert wurde sondern ein Investment von dem jeder 14 Jährige schnallt dass da was nicht mit rechten Dingen zu geht, wer selbst ein Unternehmen besitzt sollte eigentlich von Wirtschaft gut genug verstehen dass keine Geldanlage der Welt Geld drucken kann.

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